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Zu blöd! Warum Merkels Corona-Rede sinnlos ist.

Mit ihrem Appell an die Bevölkerung, Hygiene, Anstand und vor allem Abstand zu wahren hat die Bundeskanzlerin aus virologischer Sicht ins Schwarze getroffen. An der Zielgruppe schießt sie aber leider vorbei. Und das deutlich. Generationsübergreifend gibt es eine Millionen Beispiele dafür, dass sich kein Mensch an ihre Botschaft halten wird.

Während sich viele Ärzteteams mit der Kampagne #stayathome verzweifelt die Intensivstationen freihalten wollen, lautet die Antwort vieler Rentner darauf #zahnarztbesuchjetzterstrecht, oder #wirrettendiefusspflege. Das Wettschieben vieler Rollatoren-Gruppen geht ebenso munter weiter wie die Freizeitaktivitäten von Schülern und Jugendlichen. Statt Freitags zu demonstrieren trifft man sich jetzt halt in Massen vor Cafes und Bars, um so “schools out for spring” und die unverhofft verlängerten Ferien zu feiern.

Auch die Endlos-Zocker und Nerds, die sonst 24 Stunden Tag und Nacht vor ihren PCs oder der Playstation hocken zieht es ausgerechnet jetzt ins Freie. Dort treffen sie auf gelangweilte Muttis, die ihren Nachwuchs jetzt selber bespaßen müssen, weil Kitas und Kindergärten geschlossen sind. So trifft man sich zum gemeinsamen Eltern-Kind-Zirkel auf öffentlichen Grünflächen und diskutiert, wie man sich am besten schützen kann.

Wer hört sich die Merkel-Mahnung denn überhaupt an? Eigentlich sollten Politiker doch gemerkt haben, dass ihre Kommunikation in Zeiten der social media meistens ins Leere läuft. Jede Live-Show bei DSDS erreicht mehr Zuschauer als eine angekündigte Rede zur Lage der Nation! Warum zum Teufel schnappt man sich nicht bekannte Influencer und Youtuber, um Botschaften effektiv zu platzieren? Ein Video von Rezo mit dem Titel „Die Zerstörung des Corona Virus“ hätte eine größere Reichweite als die gefalteten Hände der Kanzlerin im Fernsehen.

Diese ganzen Appelle und Botschaften führen auch zu einer Doppelmoral in unserer Gesellschaft. Immer wieder entdecke ich bei Facebook und Instagram wütende Inhalte wie assozial es sei, Klopapier oder Nudeln zu horten. Fotos von leeren Regalen werden mit „wie kann man nur“ Texten versehen. Gleichzeitig schicken sie GIFs und Filme mit den neuesten Corona-Witzen. Ich glaube einfach, das diese Gutmenschen selber einen schwunghaften Schwarz-Handel mit knappen Gütern betreiben und sich nur ärgern, bei manchen Dingen zu spät reagiert zu haben. Eine Randnotiz an dieser Stelle: Wer noch Haferflocken und H-Milch benötigt, bitte eine PN an mich..

Überhaupt hat das Konsumverhalten zu obskuren Techniken geführt. Ich selber schließe mich da mit ein. Bei meinem letzten Metro-Besuch habe ich meinen Einkaufswagen randvoll – nur mit dem nötigsten – gepackt. Die 50 Meter-Schlange vor der Kasse hat mich aber rechtzeitig zur Vernunft gebracht. Zumindest die Tiefkühlwaren habe ich zurückgebracht bevor ich die Metro wieder verließ.  Der Wagen steht vermutlich immer noch zwischen Gang 7 und 8.

Um den Dienstleistungssektor zu stärken nutzen viele Mitbürgerinnen und Mitbürger auch die Zeit, um ihre Autos optisch auf Vordermann zu bringen. Noch nie haben sich so viele Menschen die Staubsauger bei Clean Car und Co in die Hand gegeben. Wenn man schon zu den Drive-In Testzentren fahren muss, dann bitte mit einem blitzblanken PKW.

Ich persönlich kann tun was ich will – das Verhalten meiner Mitmenschen ändert sich einfach nicht. Meine Nachbarin rückt mir auf dem Fußweg weiterhin dicht auf die Pelle, wie sie das sonst auch immer tut. Schwitzende Jogger-Gruppen rempeln mich ebenso an, wie die Leute im Supermarkt. Auch wenn ich dort schon immer die Gänge bevorzuge in denen sich zur Zeit kein weiterer Kunde aufhält.

Da lobe ich mir die Italiener, die sich singend vom Balkon die besten Genesungswünsche und gute Nachbarschaft zu rufen. Ab und zu werfen sie sich bestimmt auch eine Packung Pasta über die Brüstung. Das macht bestimmt aber mehr Sinn, um den ganzen Spuk schnell ein Ende zu bereiten. 

 

 

 

Foto von cottonbro von Pexels

 

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