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Thailand Tag #6 – Weena und die Sun Beach Bar

Mittagszeit in Khao Lak. Die Sonne brennt noch eine Spur intensiver. Der Asphalt flimmert in der Gluthitze. Kaum ein Mensch auf der Straße. Die meisten Touristen haben sich in ihre klimatisierten Hotelzimmer zurückgezogen.

Ich verbringe diese Zeit oft in der Sun Beach Bar. Dort ist es anders. Luftiger. Nicht so überfrachtet mit Kitsch und Co.  Der Spirit von Hemingway liegt in der Luft. Zwischen  Animationen und Blinkreklame auf der Strasse bleibt die Zeit stehen. Hier hat es mich schon am ersten Tag hin gezogen. Seitdem winkt mir das Personal schon von weitem zu.

Lass uns gemeinsam eine kurze Pause machen.

Die Bambusverkleidung der Theke passt gut zu den Strohmatten am Eingang. Dort steht ab dem frühen Abend immer einer Kiste mit frischen Fisch. Einfach auf Eiswürfel gelegt. Eye Catcher für die Touristen. Fresh seafood. Mittags dient diese Kiste als Ablage für Flyer und Bierdeckel. Ich gehe gerne hierhin. Freies WLAN. Immer die gleichen Leute hinter dem Tresen. Gechillt und freundlich. Musikinstrumente für abendliche Live Konzerte. Aber nur ab und zu. Nur die verblichene Bayern München Fahne über der Küche stört mich etwas. Sie hat ihre besten Tage aber zum Glück hinter sich. Ich vertreibe ein paar Fliegen. Der Ventilator surrt monoton. Wie immer ein Chang Bier. Dazu Jasmin Reis und irgendein Thai Gericht. Mittel Spicy.

Ich geniesse jede Minute. Die leere Strasse ist mein Kino. Ich beobachte einige Straßenhunde auf ihrer Suche nach den besten Schattenplätzen. Die Musik im Hintergrund und ein weiteres Bier. Die Zeit vergeht nur langsam. Entschleunigung.

An diesem Tag erfahre ich, dass die rundliche Thailänderin Chefin der Sunshine Bar ist. Ich hatte sie immer als Köchin in Verdacht. Auf der Suche nach Followern für ihre Facebook Seite bat sie mich um einen Like. Ich bat sie dafür um ihre Geschichte.

 

Zusammen mit ihrem Mann ist Weena Srisrakorn direkt nach dem Tsunami nach Khao Lak gekommen. Erste Sunbeach Bar #1 am Strand. Ein neuer Hotelkomplex zwang sie zur erneuten Suche. Nun also die belebte Hauptstrasse. Die 35jährige zeigt mir einige private Fotos auf ihrem Smartphone. Bilder aus Bangkok, Bilder von ihren zwei kleinen Hunden. Einer wurde einfach gestohlen. Der Tsunami ist kein Thema mehr.

Weena kommt aus einer guten Familie in der Hauptstadt. Bangkok ist groß, Platz zum Leben gibt es aber nur wenig. In Khao Lak hat sie Luft zum Atmen. Die Geschäfte in Khao Lak sind schwierig. Investoren machen den kleinen Händlern und Restaurantbesitzern das Leben schwer. Weena weiß das. Sie geht mit mir in die Küche. Ohne zu zögern. Ich möchte das Herz der Sun Beach Bar sehen.

 

 

Schmutz und Dreck fallen mir auf – nicht im negativen Sinne. Deutsche Maßstäbe sind mir egal. Fliegen sitzen auf den Lebensmitteln und schwirren durch den ganzen Raum. Gewürze liegen überall verstreut. Benutzte Pfannen und Öle. Geschirr stapelt sich. Stolz schwenkt der Koch einen leeren Wok. Keine Spur von Scham vor dem fremden Europäer. Ehrliches Essen.

 

 

Als wir wieder nach draußen gehen lädt mich Weena für den nächsten Abend zum Essen ein. Sie will für mich kochen. Speziell nach Wunsch. Leider werde ich dann schon wieder im Flugzeug nach Deutschland sitzen.

Weena und ihre Sun Beach Bar werden mir fehlen.

Namaste

Sun Beach Bar bei Trip advisor