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Martin Semmelrogge, was nervt Dich an Deutschland?

Talking Semmelrogge

Martin Semmelrogge. TV- und Kinostar. Bekannt aus dem Klassiker “Das Boot”. Auf Tauchstation mit Herbert Grönemeyer. Seine erste Rolle im Kommissar. Bezeichnenderweise als Vatermörder. Berühmt wegen seiner direkten Art. Niemals Mainstream. Aber immer ehrlich. Auch mit sich. In unserem Gespräch erzählt der 64-Jährige viel über Lebensweisheiten, echte Freunde und schlechte Politiker.

Martin Semmelrogge – was nervt Dich an Deutschland?

jott-stories: Martin, das Thema Fitness ist Dir wichtig. Selbst zum Interview sehe ich eine Kurzhantel neben Dir…

Martin Semmelrogge: “Ich hatte schon als Kind immer das Bedürfnis mich zu bewegen. Damals habe ich beim Nachbarn auf dem Feld Rüben gehakt. Heute ist das bei mir wie bei einem alten Auto. Das muss laufen. Ich brauche das jeden Tag. Also, coole Mucke aufs Ohr – meistens Heavy Metal, wie zum Beispiel Ozzy Osbourne oder Metallica – und raus an die frische Luft. Dazu etwas Hantel-Training. Die habe ich fast immer mit dabei. Wenn du Rock´n Roll machen willst mit 64, dann ist das wichtig! Ich habe überall meine Kraftzentren!”

jott-stories: Du lebst auf Mallorca. Wie sieht Dein typischer Tag dort aus?

Martin Semmelrogge: “Ich bin Frühaufsteher. Mit Ausnahmen. Meine Hunde schlafen zwar auch gern, aber oft werden wir von der Nachbarskatze und dem Nachbarshund geweckt, wenn die vorbeikommen. Mallorca ist besonders im Sommer wunderschön am Strand. Im Sommer mache ich gerne Siesta. Ansonsten ist der Tag dort ganz normal. Man bringt sein Auto in die Werkstatt oder plant den Tag. Besprechungen mit meiner Frau, oder dem Management. Wir bedienen die sozialen Netzwerke und zur Zeit kümmer ich mich besonders um das Projekt “Schauspieloffensive 2020″. Gemeinsam mit meiner Tochter bieten wir Seminare zum Thema Casting, Acting und vieles mehr, um den Kopf frei zu bekommen für die Schauspielprüfungen oder ähnliches. Das ist im Grunde ein 360 Grad Coaching. Mentale Stärken fördern. Sogar Motorrad fahren gehört dazu.”

  

Semmeltalk

 

jott-stories: Ist Mallorca Deine neue Heimat? 

Martin Semmelrogge. “Ich hatte schon in den 80er Jahren auf Ibiza eine  Wohnung und eine Freundin. Später bin ich dann in die USA gegangen. Da wohnt ein Teil meiner Familie. Das ist eine Sehnsucht von mir, Amerika. Leider ist das ein bisschen weit weg. Dann kamen viele Dinge zusammen. Auch das Thema Terror und der 11. September. Ich habe mich dann für Mallorca entschieden. Das liegt auch auf dem gleichen Breitengrad wie Los Angelas. Seit 2001 habe ich mein Basislager hier und bin auch in den Sozialsystemen gemeldet. Nach Deutschland komme ich nur noch wenn ich möchte. Ich will nicht zuviel arbeiten. Nur ein kleine Zugabe fürs Leben. Ich habe noch was vor. Ich bin 64 Jahre, die Welt ist mir wichtig und ich will mich nicht nur über den Beruf definieren. Obwohl mir das gut tut, sagt zumindest meine Freundin. Aber jetzt wo ich auf die 80 zugehe will ich noch andere Sachen entdecken. Ich mache viel auf der Bühne und bin gut aufgestellt. Aber Mallorca ist mein Leben!”

jott-stories: Wie ist Dein Blick aus der Ferne auf Deutschland?

Martin Semmelrogge:  “Es ist grausam was in Deutschland gerade passiert. Wenn man den Menschen in die Augen schaut – alle wirken gehetzt. Es geht nur um Kohle, aber keiner kriegt was ab. Die Politiker versagen an allen Ecken und sind alle nur Selbstdarsteller. Die sollten nur ihre Arbeit machen. Es gibt ja genug Probleme auf der Welt. In einigen Jahren wird das Grundwasser knapp, der Umwelt geht es schlecht und es ist fast zu spät. Aber  man soll ja nie aufgeben. Ich finde, es gibt keine Diskussionen mehr, nur Gelaber. Schwarz und weiß. Im Osten wurden Leute ständig zurückgelassen. Franz-Josef Strauß hat einmal gesagt: Man muss den Leuten aufs Maul schauen und sie da abholen, wo sie stehen. Und nicht vom hohen Ross aus alles machen und Leute auch gleich als Nazis bezeichnen. Ich finde das alles so überzogen. Man sollte das ein bisschen cooler sehen.”

jott-stories: Müssen Menschen und Politiker mehr Verantwortung übernehmen?

Martin Semmelrogge. “Na klar. Zum Beispiel Donald Trump und das Impeachment. Der hat zwar die Wirtschaft nach vorne gebracht, jetzt aber einen Freibrief, ohne je eingesperrt zu werden. Oder Syrien: Obama ruft vor Jahren in Berlin an und die Merkel nimmt nicht ab.  Da darf man sich über das ganze Elend nicht wundern. Politiker sollten nicht manipulativ an ihren Umfragewerten schrauben sondern ihre Arbeit machen.”

jott-stories: Dein Vater war bekannter Schauspieler. Auch Deine Kinder sind Schauspieler. Steckt das in den Genen, oder macht man das um ein tolles Leben zu haben? Und was für ein Typ bist Du eigentlich?

Martin Semmelrogge: “Das hat mit einem tollen Leben nichts zu tun. Für mich war das ein Weg raus aus der Schule und rein in die Selbstständigkeit. Das hat mir eine Perspektive gegeben um Geld  zu verdienen. Das war mir wichtig. Das gab mir Erfüllung, Texte lernen und wiederzugeben. Die Schule empfand ich als sinnlos. Mein Lehrer hat mir immer gesagt, es ist wichtig sich im Leben zu entscheiden. Nicht lange hin und her. Ich entscheide aus dem Bauch und vertrau mir da auch. Das Leben ist zu kurz um rum zulabern. Ich liebe tolle Typen und bin da von den 60er und 70er Jahren geflasht. Ich haben damals Clint Eastwood und Humphrey Bogart Filme geschaut. Die Rolling Stones und Beatles gehört. Dazu habe ich Henry Miller oder Charles Bukowski gelesen. Ich hab mir das alles rein gezogen, wollte aber immer mein eigener Typ werden.“

 

 

jott-stories: Du hast in dem Film “Das Boot” mitgespielt. War Dir gleich bewusst – hier entsteht etwas Großes?

Martin Semmelrogge: “Wir haben das gespürt. Intuitiv. Schon der Cast war etwas Besonderes. Wolfgang Petersen hat uns da einfach rein geworfen. Shakespear hat gesagt: “Es ist ein Mysterium”. Man weiß nie wie es passiert. Aber es passiert und der Beruf schafft etwas Großes. Auch die Dinge am Set – jeder wusste, was er zu tun hat. Wir saßen alle sprichwörtlich in einem Boot. Auch die Crew und das Team drum herum. Das passte. Wir haben uns sogar durchgehend privat mit dem Dienstgrad angesprochen, nicht mit unseren wirklichen Namen.”

jott-stories: Du hast mit dem Film “Schindlers Liste“ an Hollywood geschnuppert. Warum ging da nicht noch mehr?

Martin Semmelrogge: “Es ist schwierig, da einzusteigen. Nach dem Boot hätte ich die Chance vielleicht gehabt. Aber der Staat – oder besser ich selber mit meinem Verhalten habe mich daran gehindert, durch mein Verhalten. Manche würden sagen, ich habe es “versemmelt” als ich jung war. Wenn ich voll auf Karriere aus gewesen wäre, dann wäre vieles anders verlaufen. Dann wäre ich aber auch nicht mehr der, der ich jetzt bin. Wenn ich die Zeit zurückschrauben könnte, würde ich manches anders machen. Aber das ist Makulatur. Damals wusste ich das nicht. Aber auch heute gibt es noch Gelegenheit in einem großen Film zu punkten. Guck Dir den Walz an…”

jott-stories: Aber unzufrieden wirkst Du ja nicht.

Martin Semmelrogge: “Nein, ich bin super zufrieden. Ich gucke immer nach vorne, schau nie zurück. Das würde ja auch nichts bringen.”

jott-stories: Wie wichtig sind Dir Freunde und Freundschaften?

Martin Semmelrogge: “Je älter man wird, desto wichtiger sind Freundschaften. Und ein gutes  Netzwerk. Das ist mir super wichtig und das pflege ich auch. Man darf Freunde aber nicht ausnutzen, sondern muss auch viel investieren. Da passe ich genau auf. Geben und nehmen. Leider sind viele meiner alten Freunde schon tot. Rock´n Roll und so. Die sind an Drogen oder Aids gestorben. Ich habe aber noch einen sehr guten Freund, der ist wie ein Bruder für mich. Das ist aber auch Glück und dafür danke ich dem Herrgott. Außerdem habe ich eine tolle Frau und Kinder. Und meine Tiere. Die sind auch wie Freunde für mich.”

jott-stories: Danke Dir für das tolle Interview!

Martin Semmelrogge: “Muchas gracias”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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