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Klaus Meine: Unplugged

Klaus Meine unplugged

Ganz nah, ohne Bühnenlicht. Kein Verstärker. Eher dezent und leise. Silberschmuck und Lederjacke, kraftvoll und elegant. Klaus Meine ist eine Legende. Eine zum Anfassen. Eine großartige Aura umgibt den 70-jährigen Weltstar, als wir uns zum ersten Mal gegenüber stehen. Und dann seine Stimme.

Ich spüre eine sanfte Vibration. Den Quell der Töne, die in Kürze wieder hunderttausende Menschen begeistern werden. In Südamerika werden sie ihn und die Heavy-Metal-Band „Scorpions“ im Herbst auf den Rock-Olymp hieven. Wieder einmal. Wie überall auf der Welt. Der Musiker und seine Geschichte. Klaus Meine ist ein Naturereignis. Erde, Feuer, Luft und Wasser. Er scheint die vier Elemente in sich zu vereinen. Und noch eines mehr: Das Leben. Das gibt ihm die Power immer weiter zu machen. Auf der Erfolgsspur. Oder, wie Meine sagt: „Wie in der Pole Position in der Formel Eins“.

Klaus Meine ist erdverwachsen. Er liebt Hannover, die Stadt, in der alles begann. Die Vision, eine Weltkarriere zu starten, haben er und die Band schon von Anfang an. Und ziehen ihr Projekt durch. Während andere Bands aus Hannover ihre kleinen Erfolge feiern, wollen die Scorpions mehr. Viel mehr. Raus aus der Stadt, den ersten Schritt nach England. Sie betreten 1975 auch die Bühne im legendären Cavern Club in Liverpool. Dort, wo schon die Beatles Geschichte schrieben. „Blitzkrieg, die Deutschen waren da!“ werden die Engländer später über die Newcomer anerkennend urteilen.

 

Meine unplugged – Interview

Die Karriere der Scorpions nimmt an Fahrt auf. Die Vision von Klaus Meine nach „globalem Erfolg“ scheint machbar. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Gepflastert mit vielen kleinen Schwierigkeiten und großen Entbehrungen. Gerade in den Anfangszeiten. Ein Tourbus, der mit Boxen und weiterer Ausrüstung an Bord verunglückt. Bitterkalte Nächte in billigen Hotels, in denen die Heizung nur nach Münzeinwurf zeitweise ein wenig wärmt. „Wir hatten immer ein paar „Coins“ in der Tasche, um zu Hause anzurufen und zu sagen, dass es uns gut geht“, erinnert sich Meine an die Anfangsjahre.

Das Feuer, das ihn antreibt, heißt Perfektion. Die Bereitschaft, auch von anderen zu lernen um besser zu werden. Die ersten Tourneen in den USA Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre prägen Meine. Headliner wie Rainbow oder Van Halen begeistern und inspirieren ihn.

 

Die Art und Weise, wie die Bands mit ihrem Publikum spielen, ihre Performance auf der Bühne – all das saugt Meine in sich auf. Mit der Erkenntnis: „Haben die uns Angst gemacht? Nein! Wir haben von denen gelernt.”

 

Ehrliche Kommunikation ist Klaus Meine wichtig. Innerhalb der Band und mit seinen Fans auf der Bühne. Bei MTV unplugged zum Beispiel. Als Frontman liebt er es, Geschichten zu erzählen. Über sich, seine Kollegen oder die Musiker, die als Sidekick mit ihm auf der Bühne stehen. Es war ein Satz, der sein Leben damals fast komplett verändert hätte. Seine Karriere beendet. “Ich höre auf, macht ihr alleine weiter!” Während der Aufnahmen zum Album “Blackout” verliert Klaus Meine 1981 seine Stimme. Er steht vor dem Aus. Um den Erfolg der Band nicht zu gefährden bietet er seinen Rücktritt an.

 

Im Focus – Interview Klaus Meine

Die Bandkollegen um Rudolf Schenker lehnen ab. Ihre Botschaft: Wir warten auf Dich! Klaus Meine kämpft. Eine lange Gesangstherapie und zwei Stimmbandoperationen später kommt er zurück. Stärker, sensibler und mit einem neuen Gespür für seinen Körper und das Leben insgesamt. Zurückblickend bilanziert er nüchtern: „Jeder, der Erfolg haben will, muss diese Extra-Meile gehen.“ Diese Jahre werden den Zusammenhalt innerhalb der Band und seine lebenslange Freundschaft zu Rudolf Schenker für immer prägen. Das Albumcover “Blackout” vom Österreicher Gottfried Helnwein, ein starker Ausdruck dieser explosiven Zeit.

 

„Ich dachte, das war es. Ich hatte keine Angst um mich oder meine Karriere. Die Ängste davor, die Erwartungen nicht erfüllen zu können, waren viel größer.“

 

Das Element „Luft“ beeinflusst Meine ebenfalls intensiv. Als Vielflieger jettet er durch die Welt. An ein Konzert erinnert er sich besonders. In Boliviens Hauptstadt La Paz geben die Scorpions ein Konzert in fast 4.000 Meter Höhe. Klaus Meine schläft mit Sauerstoffflasche am Bett und trinkt Koka-Tee gegen seine Kopfschmerzen und Übelkeit. Meine geht immer den harten Weg. Keine einfachen Sachen. Für jede Tournee sucht er Bands und special Guests, die Gas geben. Das Bühnen-Package für die Fans muss stimmen. Die Gefahr, an die Wand gespielt zu werden, nimmt er in Kauf. Passieren wird ihm das aber niemals. Sein Anspruch: „Als Headliner musst Du besonders stark sein. 50 Prozent geht nicht. Immer volle Pulle!“

 

Talk mit Klaus Meine. Insight.

Am Wasser holt sich Meine die Kraft zurück, die er braucht um seinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Gerne nach Sylt an die Nordsee, oder in den Süden auf die ägäischen Inseln. Abtauchen, für neue Inspiration. Wieder auftauchen, um Geschichte zu schreiben. Wie mit seinem Welthit „Wind of Change“. Ein Song, der es am Anfang zunächst schwer hat. „Ich musste zuerst die eigene Band überzeugen. Und wenn dann ein Lied mit einem Pfeifen beginnt, ist das nicht gerade einfach.“ Meine holt die besten Musiker ins Studio. Probiert die besten Gitarrenriffs aus. Doch nichts überzeugt als Intro mehr, als sein simples Pfeifen. Die Geburtsstunde eines epochalen Werkes.

Erde, Feuer, Luft und Wasser. Das Naturereignis Klaus Meine hat sich schon vielen Elementen ausgesetzt. Er hat da performt, wo andere versagen. Ob im Schneesturm in Sibirien bei minus 20 Grad, oder am Amazonas, umgeben von Millionen von Mücken.

 

Meine zieht es durch. Ganz nach seinem Motto: „100.000 in Rio. Wenn du da raus gehst, denkst Du: Heute ist es besser, wenn Du es nicht verkackst.“