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Babyboomer oder Schweinekoteletts. Welche Generation schmeckt Dir am Besten?

Laut Wikipedia bin ich ein Baby Boomer. Das sind die, die in Kürze schon wieder in Rente gehen können. Hart an der Grenze zur Generation X. Das waren die Orientierungslosen. Baujahr 1965. Also schon mit Spuren der Generation Golf in meiner sozialwissenschaftlichen DNA. Typ Golf 1, genauer gesagt. In mandarin-orange. So wie mein Vater ihn damals, 1974 in Wolfsburg gekauft hat. Inklusive dieser dunkel braunen Stoffsitze. Irgendwo dazwischen also stecke ich.

In meinem Lieblingsjahr 1984 bin ich meiner ersten großen Liebe begegnet. Deshalb fühle ich mich den 80ern besonders verbunden. Das ist der Schuss Generation Y in mir. Mit einer Nuance Digital Natives. Digitalisierung und soziale Netzwerke finde ich nämlich auch sehr spannend. Das MacBook Air, Apple watch 4 und Iphone X sind mir genauso vertraut wie Kindl book und Co. Auch zu Alexa und Siri habe ich ein enges Verhältnis. 

Bei genauerer Betrachtung trage ich noch Anzeichen der Generation Z in mir. Zum Teufel mit der Work-Life-Balance. Work-Life-Blending is new king in town. Weg mit noch mehr Verantwortung. Mein Leben beginnt nach Feierabend. Off-line und Partytime, anstatt 24/7 Sklave der Arbeit. Wenn mich nicht gerade die push Meldungen von whatsapp, oder ein Anruf meines Chefs aus der Freizeitidylle reißen.

Meine Frau ist mir bei der Suche nach meinem inneren soziologischen Gleichgewicht keine Hilfe. Im Gegenteil. Sie stigmatisierte mich immer schon auf alt. Generation Cremejacke. Mit Anfang Dreißig stellte sie mich bei unseren Freunden immer schon als knapp Vierzig vor. Mit 45 war ich dann bereits „an die fünfzig“. Heute, mit Anfang Fünfzig hat sie mich gerade erst gestern als „auf die 60 zugehend“ bezeichnet. Ich glaube, das liegt an ihren beginnenden Wechseljahren. Sie fühlt sich dann einfach persönlich jünger, wenn Sie mich älter macht. Das ist für Sie wie eine gute Therapie. Die feminine Selbstfindung ist noch eine Spur komplizierter, als bei uns Männern. Und so ganz nebenbei ist das auch ein ernsthaftes Problem fürs tägliche Zusammenleben. Denn während ich mit meinem ärmellosen Under Armour Baseball-Shirt auf dem Sofa liege und Netflix streame, hüllt sie sich gerne in mehrere Wollpullis und einen grauen Kaschmirschal. Lustig bedruckt mit kleinen Islandpferdchen und liest ein gutes Buch.

Ihre Hitzewallungen sind bei uns kein Tabuthema und werden offen ausgelebt.

Mein erwartetes Lebensalter liegt bei ungefähr 80 Jahren. Vor einigen Jahren hätte ich noch gedacht ich werde sogar noch älter. Mittlerweile glaube ich das aber nicht mehr. Seitdem ich intensiv diese foodblogs lese weiß ich, dass ich schon früh ernährungsmäßig auf die Verliererstraße abgebogen bin. 

Als Kind habe ich Innereien, Fleisch oder Wurst geradezu inhaliert. Superfood der 70er waren für mich Koteletts, Schweineleber oder Blutwurst. Gerollte Mortadellascheiben von dicken Fleischfachverkäuferinnen, Tri top Sirup, Sunkist Softdrinks und Süßigkeiten – gegen die Glyphosat die reinste Biomischung ist. Die Chiasamen meiner Jugend hießen Ahoi Brause und Perlipopp.

Seit zwei Jahren bin ich Vegetarier. Das macht den Kohl aber nicht mehr fett. Aufs Alter gerechnet gesehen. Die Halbwertszeiten der verstoffwechselten Negerküsse und Paprikachips sind gnadenlos lang. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich in letzter Zeit überproportional abbaue. Dabei bin ich vor zwei Jahren zum ersten Mal einen Marathon gelaufen. 42 Kilometer, gut fürs Ego. Schlecht für die Knorpel in meinen Knien. Die  Fehler der Vergangenheit wird der ganze Sport aber nicht rausreißen. Genauso wenig wie mein Yogakurs. Zuviele Sünden über zu lange Zeit. Das Thema Demenz im Alter betrifft nur das Gehirn. Der Körper vergisst dagegen nie.

Aber eigentlich ist es ja auch egal, wie die Generation heißt, in der Du geboren wurdest, oder die Dir zusagt. Es kommt einfach darauf an, was Du daraus machst. Und natürlich, das es irgendwie hip klingt. Auch wenn Du demographisch gesehen schon längst zum Bauch der Alterspyramide gehörst. 

Bleib einfach jung im Herzen. Be the generation of love.