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Achtung, Marktforschung! In welcher Urlaubs-Schublade steckst Du?

Ab in den Urlaub? Von wegen! Vor dem Start in die Ferien macht Dich die Marktforschung nackt bis auf die Badehose. Hedonist, Performer oder Simplicity Searcher. In welcher Urlaubs-Schublade steckst Du?

Reisemotive im Zeitalter der Digitalisierung sind für die Marktforschung wie das Salz in der Suppe, das  Sandkorn am Strand. Begrenzte Werbebudgets von Veranstaltern und Airlines treffen auf immer komplexer werdende Lebensphasen und -verhältnisse der Verbraucher. Warum also die Aufregung über den Nacktscanner am Airport? Schon vor Deiner Reise ziehen Forsa und Co. Dich aus. Mit wissenschaftlicher Akribie werden Urlauber gescreent und in Schubladen gepackt.

“Exploration relevanter Motive, Ermittlung übergreifender Einstellungsdimensionen und eine abschließende Clusteranalyse” – so sollen Urlaubswünsche vorhersagt werden. Nicht verstanden? Macht nichts. Es geht noch komplizierter. Sinus Mileus mit einer Nuance Soziologie. Plus Buchungsbereitschaft, Markenaffinität und Dein Nutzungsverhalten gegenüber einzelner Medien. Das Ganze hübsch verpackt mit Kompass Kennzahl in eine gesellschaftspolitische Matrix. Schon können Werbemails individuell verschickt und persönliche Urlaubs Pop-Ups auf Deinem Desktop platziert werden.

Sei also nicht überrascht, wenn Du am Strand von Rhodos nicht nur Urlauber aus Deinem hedonistischen Milieu triffst. Grund: Die neue Kampagne von Alltours oder Expedia nehmen auch die bürgerliche Mitte und das expeditive Milieu zur Vermarktung der griechischen Inseln aufs Korn. Klingt nach politischem Wahlkampf und Irrsinn? Ist es es auch –  Tourismus Politik um die besten Kunden und Prozente.

Ich persönlich halte das Ganze für kontraproduktiv und sogar gefährlich. Und vor allem für eine Sache des Datenschutzes.

“Was passiert wenn Kundendatenbanken gehackt werden? Dann wird es wild in den Urlaubsgebieten! Kommen die Daten in falsche Hände kannst Du nämlich schnell in falschen Zielgebieten landen. Daten-Terroristen könnten so Tennissocken tragende Rentner bewusst ins sechs Sterne Burj Al Arab nach Dubai schicken und eine Revolution auslösen.” 

Weitere erschreckende Szenarien: Der anspruchslose Naturliebhaber findet sich am Ballermann anstatt auf Island wieder. Preissensible Partymacher bauen ihre Strandmuscheln auf Juist auf, oder der bequeme Gewohnheitsurlauber wird Teammitglied einer hochalpinen Klettertruppe.  Tummultartige Szenen in der schönsten Zeit des Jahres. Am Strand oder sogar schon zuvor im Flugzeug. Das gibt doch Ärger, wenn der Social Capital Seeker in Reihe 13 direkt neben dem Cultural Purist um den letzten Tomatensaft streitet.

Der Markforschung sei Dank. 

Macht es doch bitte nicht so kompliziert und steckt eure Nasen lieber in sinnvolle Dinge. Kümmert  Euch um echte Kundenwünsche. Um meine zum Beispiel. Warum bitte schön gibt es denn immer noch keine green Smoothies an Bord? Oder Chatbots, die mir schnell und intelligent sagen, wo meine Koffer geblieben sind und warum mein Hotelbett schmaler ist, als gebucht.

Denkt doch darüber bitte einmal nach.