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Christine Neubauer, was ist mit Dir denn los?

Christine Neubauer

Vollweib und Quotenqueen. Mit diesen Attributen verbinde ich die Schauspielerin Christine Neubauer. Bayern, Berge und ganz viel Kurven. Zu kurz gedacht. Als ich die 57jährige zum Interview treffe, kommt eine gradlinige Christine Neubauer auf mich zu. Eine blonde, drahtige Frau, die zumindest optisch wenig mit der Schauspielerin zu tun hat, die seit Jahrzehnten im TV und auf der Bühne zu sehen ist.

Von Mallorcas Sonne braungebrannt, lässige Sommerkleidung und ein indianisches Stirntuch – so wird sie mir einen Einblick in ihr „neues“ Leben geben, das Fans und Medien zur Zeit heftig und öffentlich diskutieren. Die Schublade, in der Christine Neubauer steckt lässt sich nicht so einfach wechseln. Da steckt sie nun einmal drin. Dabei hat Neubauer sich verändert. Aber nur äußerlich. Innerlich ist sie sich immer treu geblieben. Als „Geierwally“, „Holzbaronin“ oder „die Pastorin“ begeisterte sie ihr Publikum über viele Jahrzehnte. Jede einzelne Rolle ist ein starkes Stück ihres Lebens. Hat sie glücklich gemacht und weiter geformt.  

Die Grimmepreisträgerin zeigt sich in unserem Gespräch sensibel, empathisch und hilfsbereit. Echte Gefühle – nicht nur gespielt von einer Frau, die viele Klischees bedienen muss. Das Vollweib für alle. Lächelnd und brünett – passend für die Quote, inszeniert für den Auftritt auf dem roten Teppich. Diese alten Zöpfe hat sie abgeschnitten. Sie sucht die Veränderung und ist auf der Suche nach Neuem. Schon immer ist sie dagegen in Hilfsprojekten aktiv. Aktuell unterstützt sie auch eine Blindenschule in Chile und engagiert sich für Straßenhunde auf Mallorca. Gemeinsam mit der Tierschutzorganisation Peta wirbt sie für die Kampagne „Adoption statt Kauf“. Sie weiß, wovon sie spricht. Ihr Hund Gismo war schon in der Tötungsstation, bevor Christine Neubauer ihn bei sich zuhause aufnahm. Für ihr soziales Engagement erhielt sie vor einigen Jahren die bayerische Staatsmedaille. Was sie macht, macht die Mutter eines Sohnes zu 100 Prozent. Auch wenn sie dafür an ihre Grenzen gehen muss.   

 

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Blond statt brünett – Christine Neubauer

Zum Beispiel in der RTL-Show „Dance Dance Dance“. Gemeinsam mit Tanzpartner Gedeon Burkhard trainierte sie viele Wochen lang auf höchstem Niveau und lieferte ab. Professionell und voller Leidenschaft. „Tanzen macht mich glücklich. Da merke ich die Anstrengungen gar nicht,“ beschreibt sie ihre Motivation. Dabei hat das Training durchaus einen tieferen Sinn. Ihre Muskeln werden durch die tägliche Arbeit gestärkt und ihr Körper so widerstandsfähiger gegen die Krankheit „Morbus Bechterew“. Eine chronisch rheumatische Erkrankung und Versteifung der Gelenke, die ihr vor einigen Jahren diagnostiziert wurde. Tanzen als Schmerztherapie. Rückentraining statt praller Kurven – dafür haben Fans und Medien nicht immer Verständnis.

 

„Ich kann jedem, der sich abfällig über mich ergötzt gerne meine Schmerzen geben“, ärgert sich Christine Neubauer über viele negative Kommentare zu ihren aktuellen Auftritten.

 

Schmerzfrei war Neubauer auch in ihrer Zeit  als Gangsterbraut Judith Silberstein bei den Karl-May Festspielen in Bad Segeberg. Reiten mit Cowboy-Hut, Boots und Colt in der Hand. Ein Double kommt für sie auch in gefährlichen Rollen nicht in Frage. Das Leben hat sie hart gemacht. Und damit feinfühlig gegenüber sich selbst und gegenüber anderen.

Christine Neubauer ist eine der Top Schauspielerinnen in Deutschland. Sie nahm bei Ruth von Zerboni und Wolfgang Büttner Schauspielunterricht und ging dann ans Lee Strasberg Institute New York. 1992 gelang ihr der Durchbruch in der Rolle der Traudl Grandauer in dem Drama “Die Löwengrube”. Film- und Fernsehrollen aller Genres, unter anderem an der Seite von Hannes Jaenicke und Heiner Lauterbach – keine Premiere fand ohne die gebürtige Münchnerin statt.

Auch als Autorin der “Vollweib”-Reihe, “Das Leben ist Jo-Jo” und zahlreichen Kochbüchern ist Christine Neubauer erfolgreich. Das liegt zum Teil in ihrer DNA. Eine kleine Druckerei im Garten ihrer Eltern gab ihr damals die Inspiration, künstlerisch tätig zu sein. „ich habe mir damals viel bei den Kunden meines Vaters abgeschaut. Vor allem die Siebdrucke haben mich immer fasziniert“, erinnert sich Neubauer. Das ist auch ein Grund dafür, dass sie sich auch selber zur Malerei hingezogen fühlt. Ihr Motive: Vor allem Frauen. Eventuell könnten sich auch Männer in Zukunft auf der Leinwand wiederfinden. Allerdings nur gemeinsam mit einer Frau.  

Und auch als Buch-Autorin hätte sie noch eine Menge zu erzählen. Eine Fortsetzung der Vollweib-Edition wird es aber mit Sicherheit nicht mehr geben. Dafür vielleicht so einiges aus ihrem Leben. Über die Dreharbeiten in Santiago in Chile zum Beispiel. Die Produktion zu dem Drama „die Briefe meiner Mutter“ in eine ehemaligen „Folterhaus“  hat sie sehr berührt, zumal ihr Lebensgefährte José Campos die Zeit als Kind dort miterlebt hat. Die ehemalige Psychologie Studentin spürte förmlich „das Blut an der Wand schreien“.

 

Christine Neubauer

 

Christine Neubauer hat ihr Leben im Griff. Und im Blick. Über den Dächern Palmas – vis a vis der Kathedrale – genießt sie es, das Treiben der Einheimischen und der Touristen zu beobachten. Wenn sie dann zu oft erkannt wird bleibt ihr immer noch die Zuflucht in ein kleines Landhaus am Fuße des Tramuntana Gebirges. Dort kann sie sich auch auf ihre neue TV-Rolle vorbereiten. Im Herbst beginnen die Dreharbeiten der Rita Falk Verfilmung „Kaiserschmarrndrama“. Der erste Film mit einer blonden Neubauer vor der Kamera.

In einer Schublade, meint Christine Neubauer zum Schluss, stecken die anderen. Die, die in gestrigen Erwartungen und verstaubten Idealen hängen geblieben sind. Damit trifft sie den Nagel auf den Kopf. Wie bei so Vielem, über das sie mir in der kurzen Zeit erzählt hat.